Einstellung zur Homosexualität

Simon Bernd

Einstellung zur Homosexualität
Ausprägung und psychologische Korrelate bei Jugendlichen ohne und mit Migrationshintergrund

In den letzten Jahren hat sich das Klima für Lesben und Schwule in Deutschland deutlich verbessert. Selbst das Lebenspartnerschaftsgesetz von 2001 (rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften) scheint von der Mehrheit akzeptiert zu werden. Aufgrund der großen Migration in Deutschland wird eine „Ungleichzeitigkeit im Verhältnis zur Homosexualität“ vermutet. (vgl. Zinn 2004, zit. nach Simon 2008, S. 88). (vgl. Simon 2008, S. 87-88). Unter einer homosexuellenfeindlichen Einstellung ist die psychologische Tendenz, auf Homosexuelle mit einer negativen Bewertung zu reagieren, gemeint. Diese Bewertung beinhaltet negative Affekte oder Gefühle, negative Kognition und negative Verhaltenstendenz.

Psychologische Korrelate homosexuellenfeindlicher Einstellung
• Religiosität
• Akzeptanz traditioneller Geschlechtsrollen- bzw. Männlichkeitsnormen
• Häufigkeit von Kontakten mit Homosexuellen

Die Vermutung von Zinn, dass Gruppen mit Migrationshintergrund eine andere Einstellung zur Homosexualität haben als Gruppen ohne Migrationshintergrund, lässt sich durch stärker traditionell-patriarchalisch ausgerichteter Herkunftskultur der Migranten und der prekären Situation als soziale Minderheit in Deutschland (vgl. Goldenberg & Saxe 1996, Renz 2002, Salman 1996, Wirth & Brähler 1994, auch Simon 2004, zit. nach Simon 2008, S. 88) erklären. Weiters weisen die Korrelate der homosexuellenfeindlichen Einstellung Zusammenhänge mit der tatsächlichen Homosexuellenfeindlichkeit auf. Die beiden Korrelate Religiosität und Akzeptanz traditioneller Geschlechtsrollen- bzw. Männlichkeitsnormen verstärken die Feindlichkeit gegenüber Homosexuellen, hingegen der häufige Umgang mit Schwulen und Lesben die negative Einstellungen gegenüber diesen Personengruppen abschwächt. (vgl. Simon 2008, S. 88-89). Um dies zu belegen wurden einige empirische Untersuchungen durchgeführt, wobei das Augenmerk auf die jüngere Generation gelegt wurde. Dazu wurden Jugendliche ohne und mit Migrationshintergrund befragt, zum einen türkische und zum anderen Jugendliche aus der ehemaligen UdSSR. (vgl. Simon 2008, S. 88).

Demografische Daten
Die Untersuchungen fanden zwischen Mai und Juni 2006 in elf Berliner Gesamtschulen und Gymnasien statt. Insgesamt wurden 1301 Schüler/innen befragt.

Soziodemografische Daten: Alter, Geschlecht, Religionszugehörigkeit und elterlicher Bildungshintergrund
Die Gruppen unterschieden sich tatsächlich in ihrer Einstellung zur Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit, wobei sie bei den beiden Gruppen mit Migrationshintergrund stärker ausgeprägt ist. Man kann auch klare Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Befragten erkennen. Interessant wäre noch zu erwähnen, dass die Schwulenfeindlichkeit bei den männlichen Befragten mit Migrationshintergrund stärker ausgeprägt ist als die Lesbenfeindlichkeit. ( vgl. Simon 2008, S. 89-93).
Die Befragten mit Migrationshintergrund haben weniger Kontakt zu Homosexuellen als diejenigen ohne. Die türkische Migrationsgruppe weist bei Diskriminierungswahrnehmungen und Religiosität die höchste Ausprägung auf. Nachdem im ersten Schritt Alter, Geschlecht und elterliche Bildungshintergrund als eventuelle Prädikatoren herangezogen wurden, kommt im zweiten Schritt die psychologische Variable noch dazu. (vgl. Simon 2008, S. 93-94).
Gruppen ohne Migrationshintergrund
Weibliche und Befragte aus Akademiker-Haushalten sind weniger homosexuellfeindlich als Männliche und Befragte aus Nicht-Akademiker-Haushalten. Außerdem kann beobachtet werden, dass im Alter die Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit steigt.
Gruppe mit Migrationshintergrund der UdSSR
Es wir ebenfalls ein Anstieg der Feindlichkeit im Alter beobachtet.
Gruppe mit türkischem Migrationshintergrund
Bei dieser Gruppe nimmt im Gegensatz zu den anderen beiden die Feindlichkeit mit dem Alter ab, dennoch zeigt sich bei Männern eine stärkere Feindlichkeit als bei Frauen.

Literatur
Simon, Bernd (2008). Einstellung zur Homosexualität. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 40 (2), 87-99.