Die Wissens-Illusion

Scharrer et al. (2017) haben in einer Untersuchung festgestellt, dass Menschen nach einer Lektüre leicht verständlicher Artikel zu wissenschaftlichen Erkenntnissen ihr eigenes Wissen zu den jeweiligen Themen deutlich überschätzen. Dafür legten sie Probanden Texte zu verschiedenen Themen aus der Medizin vor, wobei zu allen Themen verschiedene Textversionen verwendet wurden, einmal solche, die für deutsche Publikumsmedien verfasst worden waren, zum anderen waren die Themen für Fachzeitschriften aufbereitet worden, die sich an Mediziner wenden. Die meisten Probanden bewerteten beide Textversionen als glaubwürdig, doch fiel dieser Effekt durch Lektüre der für ein Laienpublikum aufbereiteten Texte stärker aus, denn diese erzeugten die Illusion bei den Lesern, dass sie die Themen besser verstanden oder tiefer durchdrungen hätten und weiterer Rat eines Experten nun eher nicht nötig sei. Die Illusion des Verstehens ergibt sich vermutlich daraus, dass die Lektüre populärwissenschaftlich aufbereiteter Texte eine geringere kognitive Anstrengung erfordert, während der Fachjargon und die Detailfülle von Fachartikeln Lesern größere geistige Anstrengungen abverlangt, was in der Regel als Indiz dafür gilt, dass das eigene Wissen und Verstehen in Bezug auf das behandelte Thema doch an Grenzen stößt. Die Autorinnen vermuten auch, dass schon die leichte Verfügbarkeit von Informationen wie durch eine Suchabfrage im Internet eine Illusion des Wissens und Verstehens erzeugt und dadurch eine Selbstüberschätzung des eigenen Wissens auslöst.

Literatur

Scharrer, L., Rupieper, Y., Stadtler, M. & Bromme, R. (2017). When science becomes too easy: Science popularization inclines laypeople to underrate their dependence on experts. Public Understanding of Science, 26, 1003-1018.