Die Rolle der Motivation beim Lernen

Margaret Martinez vertritt die Auffassung, dass Lernerfolg durch motivationale Faktoren wesentlich beeinflusst wird und unterscheidet  vier Einstellungen (Orientations) zum Lernen anhand der Gefühle, der Motivation, der Intention und des Willens:

  • Selbst-Verwirklichungs-Lerner (Transforming Learners). Diese Lerner sind hoch motiviert und betrachten Lernen als einen wichtigen Baustein der eigenen Entwicklung. Sie haben ein natürliches Bedürfnis nach selbst-gesteuertem Lernen.
  • Leistungs-Lerner (Performing Learners) sind motiviert, wenn sie ein bestimmtes Thema interessiert oder wenn sie für den Lernerfolg belohnt werden (z.B. durch bessere Bezahlung). Performing Learners lassen sich lieber Ziele vorgeben, als selbst Visionen zu entwerfen. Sie gehen nur ein geringes Risiko ein und scheuen allzu große Anstrengungen.
  • Konforme Lerner (Conforming Learners) lernen, weil man es von ihnen erwartet. Leidenschaftslos eignen sie sich Wissen an, soweit es von ihnen verlang wird. Sie bevorzugen ein geführtes Lernen, genaue Vorgaben und unmittelbares Feedback.
  • Widerspenstige Lerner (Resistant Learners) sehen generell keinen Sinn im Lernen. Lernen ist für sie bestenfalls ein notwendiges Übel.

Eine Lernumgebung für einen motivierten Transforming Learner sollte daher anders aussehen  als für einen Lerner, der nur lernt, weil man es von ihm erwartet. Während ein Transforming Learner mit einer freien und offenen Anleitung zum Lernen gute Lernerfolge erzielt, benötigen die anderen Typen ein höheres Maß an Führung und Struktur. Während ein Transforming Learner mit wenig Feedback auskommt, sind bei anderen regelmäßige Tests und Feedbacks angezeigt. Diese Typen bzw. Einstellungen sollte man aber nicht als überdauernde Persönlichkeitseinstellungen auffassen, sondern es kann durchaus passieren, dass ein widerspenstiger Lerner bei einem anderen Thema hoch motiviert wäre.

Literatur
Anderson, J. R. (1996). Kognitive Psychogie: Eine Einführung. Heidelberg: Spektrum der Wissenschaft.