Der Blickkontakt in der Körpersprache

Augenkontakt herzustellen bildet einen wesentlichen Aspekt erfolgreicher Gesprächsführung bzw. Interaktion. Die Interaktion zwischen zwei Menschen beginnt in der Regel mit einem längeren Augenkontakt, der prüft, ob der andere überhaupt zu einem Kontakt bereit ist. Der Blickkontakt ist auch das wichtigste Gefühls- und Stimmungsbarometer für andere, was Informationen wie Überraschung oder Erschrecken, Staunen, Ängste oder Verlegenheit übermittelt. Auch eine gewisse Anspannung im Sinne von Unsicherheit oder dem Bewusstsein einer heiklen Situation schlägt sich in wesentlich häufigeren Blickkontakten mit kurzer Blickdauer nieder. Bei kaum einem anderen Element der Körpersprache gibt es so viele feststehende Redewendungen wie: Das war Liebe auf den ersten Blick! oder: Wenn Blicke töten könnten.

Die erste Phase ist meist dadurch gekennzeichnet, dass man sich und dem anderen die Option offen hält, den Kontakt weiterzuführen bzw. eine Unterhaltung zu beginnen. Diese Möglichkeit wird dadurch überprüft, indem derjenige, der die Unterredung wünscht, etwa fragt, ob er stört. Während dieser ersten visuellen Kontaktaufnahmen lässt sich der Kontakt noch weitgehend problemlos und ohne Verärgerung abbrechen, während dies zu einem späteren Zeitpunkt nur noch mit Erklärungen möglich sein wird.

Viele  Menschen  sehen übrigens,  wenn  sie  ein  Gespräch  beginnen, zunächst noch einmal kurz auf die Seite, um die Chance zur Kontaktverweigerung zu unterstreichen.

Der Blickkontakt ist in der menschlichen Kommunikation ein wichtiges Gefühls- und Stimmungsbarometer für das jeweilige Gegenüber, das auch Informationen wie Überraschung oder Erschrecken, Staunen, Ängste oder Verlegenheit anzeigt. Mit den Augen nimmt man in der Regel zuerst wahr, auch eine gewisse Anspannung im Sinne von Unsicherheit oder dem Bewusstsein einer heiklen Situation schlägt sich in der Häufigkeit und Intensität von Blickkontakten nieder.

Menschen lernen schon ab der frühen Kindheit, bei der Kommunikation  eher auf die Augen als auf andere Teile des Gesichts zu achten, denn die meisten Emotionen lassen sich über den Blick transportieren, denn man sagt etwa, dass Blicke strafen, verführen oder besänftigen können, dass man sich in ihnen verlieren oder sie auch missverstehen kann, manche können buchstäblich sogar töten. Nicht nur bei Hunden und anderen Tieren gilt, dass man sie nicht zu lange anstarren sollten, sondern auch Menschen kann man sehr verschrecken, wenn man ihnen zu lange in die Augen blickt. Psychologen haben Menschen aus über fünfzig Nationen kurze Videos vorgeführt, in denen sie von Schauspielern verschieden lange betrachtet wurden, wobei sich zeigte dass der bevorzugte Durchschnittsblick 3,3 Sekunden dauern sollte, wobei der Wert über alle Altersgruppen hinweg stabil und unabhängig von Geschlecht, Persönlichkeit oder Attraktivität zu sein scheint. Allein Männer wollen mit steigendem Alter immer länger angesehen werden, sofern ihnen eine weibliche Schauspielerin in die Augen sah. Dabei verrät die Reaktion der Pupillen, ob Menschen längeren Augenkontakt als angenehm empfinden oder nicht, denn wer den Blick des anderen mag, reagiert mit einer Weitung der Pupillen. Die Weitung der Pupillen ist eine unwillkürliche Reaktionen des autonomen Nervensystems und ist ein Hinweis auf körperliche Erregung, der sich mit anderen Veränderungen wie von Puls und Hautwiderstand deckt.

Häufig wendet man sich in einem Gespräch, wenn man nach den richtigen Worten sucht,  den Blick vom seinem Gegenüber ab. Das Abwenden des Blicks hat in diesem Fall aber nichts mit Unsicherheit oder Schüchternheit zu tun, sondern es ist  das menschliche Gehirn dafür verantwortlich. Das Gehirn kann sich nämlich schwer gleichzeitig auf ein Gesicht konzentrieren und zur selben Zeit die richtigen Worte finden, wobei je komplexer diese sind, umso schwerer fällt es dann, den Blickkontakt zu halten. In einer Studie (Kajimura & Nomura, 2016) mussten Probanden ein Wortassoziationsspiel absolvieren, während ihnen computeranimierte Gesichter gezeigt wurden, die sie anstarrten. Wenn die StudienteilnehmerInnen direkt in die Augen Gesichter blickten, fiel es ihnen wesentlich schwerer,  Wörter miteinander zu assoziieren.

Mehr dazu unter Kommunikation: der Augenkontakt.

Literatur

Kajimura, Shogo & Nomura, Michio (2016). When we cannot speak: Eye contact disrupts resources available to cognitive control processes during verb generation. Cognition, 157, 352-357.
Nöth, W. (2000). Handbuch der Semiotik. Stuttgart: Metzler.