Bewerbungsratgeber sind häufig paradox und irreführend

Die meisten Ratgeber für Bewerber empfehlen eine offene, authentische Kommunikation. Die Ratgeberliteratur für Personalchefs rät jedoch meist zu Misstrauen und Kontrollstrategien. Dieses Paradox analysierte Stephan Voswinkel (Universität Frankfurt M.) in einer Studie. „Der Vergleich zwischen Bewerber- und Einsteller- Ratgeber ist aufschlussreich. Denn während alle Bewerber-Ratgeber in irgendeiner Weise die Bewerbung als ´ideale Kommunikationssituation´ fingieren, um Authentizität und Verkauf zu harmonisieren, sprechen die Einstellungsratgeber eine klare Sprache: Ihnen geht es um um Authentifizierung der Bewerber, denen grundsätzlich erwünschtes Antwortverhalten und Verkaufsstrategie unterstellt werden, so dass ein Einsteller vor allem ´Fassadetechniken´ begegnen muss.“ Der Soziologe warnt Bewerber vor der Illusion, durch die einschlägige und inflationäre Ratgeberliteratur gut auf das Einstellungsgespräch vorbereitet zu sein.

Vorbereitungen für ein Bewerbungsgespräch

Es ist wichtig, sich gut auf ein Bewerbungsgespräch vorzubereiten, , denn die Entscheidung, ob ein Bewerbungsgespräch gut verläuft, fällt großteils bereits im Vorhinein. Zuerst sollten sich BewerberInnen gezielt mit dem Unternehmen auseinandersetzen, wobei man auf den Webseiten fast aller größeren Firmen Basisinformationen über deren Tätigkeitsbereiche, Geschäftsfelder, Mitarbeiterzahl und Firmenphilosophie findet. Ist man über die Firma vorab gut informiert, erweckt das im Gespräch einen guten Eindruck, denn es zeigt, dass man sich wirklich um diesen Arbeitsplatz bemüht. Ebenso sollten sich BewerberInnen auch vorher über die speziellen Aufgaben informieren, die sie in ihrem potentiellen Arbeitsplatz erwarten, wobei das betreffende Stelleninserat dazu meist einen sehr guten Leitfaden darstellt. Jobsuchende sollte sich auch im Vorhinein schon überlegen, was man im Gespräch gefragt werden könnte, wozu auch gerne Fragen über Stärken und Schwächen der Bewerberin oder des Bewerbers gehören. Oft können Schwächen mit Stärken kompensiert werden, wobei man immer Beispiele oder Situationen schildern sollte Situationen nennen, wo ich meine diese Kompetenz unter Beweis stellen konnte. Man man auch gewisse fachliche Mängel zugeben, wenn man gleichzeitig anmerkt, wie man diese schnellstmöglich zu beheben gedenkt. Wichtig ist auch, nicht schlecht über den letzten Arbeitgeber zu sprechen, denn das hinterlässt nach dem Gespräch einen negativen Gesamteindruck. Gutes Auftreten und höfliche Umgangsformen sind beim Erscheinen zum Gespräch ohnehin Grundbedingung, d.h., Pünktlichkeit und angemessene Kleidung sind unabdingbar. Wenn man bezüglich der branchenüblichen Kleidung unschlüssig ist, sollte man sich vorher darüber erkundigen. Die Bewerbungsunterlagen und Schreibutensilien dabei zu haben, erweckt einen professionellen Eindruck, und beim Gespräch locker zu bleiben, d.h., nicht ergebnisorientiert hinzugehen, sondern sich auf das Gespräch zu freuen, denn das hilft, die Nervosität zu lindern. Auch sollte man in so einem Gespräch nichts vorspielen sondern authentisch bleiben sind ebenfalls Erfolgsrezepte. Auch sollte man sein Interesse dadurch zeigen, indem man gute Fragen stellt, z.B. wissen zu wollen, wann über die Vergabe entschieden wird.

Literatur:
Voswinkel, Stephan (2008). Bewerbungsratgeber – funktionale Authentizität und Verkauf der Arbeitskraft. In Petia Genkova  (Hrsg.), Erfolgreich durch Schlüsselqualifikationen? Heimliche Lehrpläne und Basiskompetenzen im Zeichen der Globalisierung, Pabst Publishers.
OÖN vom 19.3.2011