Bedeutung des Geruchs aus psychologischer Sicht

Der Geruchssinn ist entwicklungsgeschichtlich einer der ältesten Sinne, denn keine andere Wahrnehmung empfinden Menschen so unmittelbar wie das Riechen. Während Sehen, Hören, Fühlen und Schmecken kognitive vorgefiltert werden, gelangen Geruchsinformationen unmittelbar ins Gehirn, da die Riechnerven direkt in die Nase reichen, wobei die Gerüche in annähernd der gleichen Gehirnregion wie Emotionen verarbeitet werden. Dieser ausgeprägte Geruchssinn hat in der Evolution den Menschen vermutlich geholfen, Mitglieder ihrer Familie oder ihrer Gruppe wahrzunehmen und so ein ausgeprägtes Sozialverhalten zu entwickeln. Zwar sind nach anthropologischen Untersuchungen die Gehirne von Menschen und Neandertalern etwa gleich groß, doch sind die für Geruchsinformationen zuständigen Gehirnareale beim Menschen etwa zwölf Prozent größer als beim Neandertaler.

Die Nase ist daher für das menschliche Leben und Zusammenleben ein wichtiges Sinnesorgan und dennoch weiß die Wissenschaft noch ziemlich wenig über den Geruchssinn, obwohl er er den Alltag mehr bestimmt, als den Menschen bewusst ist. Bei allem, was Menschen trinken oder essen, gehen Duftsubstanzen über den Rachenraum in die Nase und werden dort analysiert. Auch das Duftgedächtnis des Menschen ist enorm, denn manche Düfte, die über Jahrzehnte nicht mehr gerochen wurden, werden trotzdem noch ganz genau erinnert. Gerüche spielen daher eine wichtige Rolle bei der Erinnerung, denn Menschen können sich an den Geruch des Kinderzimmers, ihrer Schule oder des Lieblingsstofftiers auch nach Jahrzehnten noch erinnern, wobei das Geruchsgedächtnis meist sehr stark mit positiven oder negativen Gefühlen verknüpft ist. Der Geruch von Feuer etwa ist im Gehirn sogar evolutionär mit Angst und Flucht verbunden, der Geruch von brennendem Plastik ist zwar neu und erlernt, dennoch kennen wir ihn und ziehen die richtigen Schlüsse daraus.
Gerüche werden ständig wahrgenommen und bestimmen die Stimmung des Menschen. Sie spiele auch in der Kommunikation eine wichtige Rolle. Personen, die wir nicht riechen können, kann man tatsächlich meist nicht leiden, auch dann nicht, wenn man sich dazu zwingt. Forscher konnten bei Tierversuchen zeigen, dass im Gehirn Netzwerke von Neuronen existieren, die eintreffende Geruchsinformationen bündeln und erst dann an andere Gehirnregionen weiterleiten, wobei durch diese Bündelung die Daten für die jeweils zuständigen Hirnareale leichter verständlich werden – es findet also eine Vorverarbeitung bzw. vielleicht sogar Vorinterpretation statt.
Die Bedeutung des Olfaktorischen wird dann besonders deutlich, wenn Menschen nicht mehr riechen können. Menschen, die ihren Geruchssinn verlieren, werden häufig depressiv, denn sie vermissen nicht nur den Geruch von Blumen, gutem Essen oder ihrem Partner, sondern es fehlt ihnen auch der eigener Geruch. Man vermutet, dass Menschen mit dem Geruchssinn einen Teil ihrer Identität verlieren.

Kurioses: Knowledge by RUB – Parfüm zur Verbesserung der Lernleistung 😉

Nach einer Agenturmeldung hat die Ruhr-Universität Bochum als erste Hochschule der Welt ein eigenes Parfüm herausgebracht, das sich Knowledge by RUB nennt und nach Zitrusfrüchten, Blumen und Holz riecht und eine wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung haben soll. Im Parfüm Knowledge sind Erkenntnisse über Riechrezeptoren und die Wirkung von Duftstoffen berücksichtigt. Kürzlich erst identifizierten die Bochumer Forscher den Magnolien-ähnlichen Duft Hedion als Bindungspartner für einen menschlichen Pheromonrezeptor, was bedeutet, dass die Wirkung nicht nur eine subjektive Empfindung ist, sondern wissenschaftlich nachgewiesen werden kann. Neben weiteren Duftstoffen mit nachgewiesener Wirkung macht etwa Cineol wach und belebt, weil es den sogenannten Nervus trigeminus aktiviert, während Geraniol beruhigt und entspannt, indem es an denselben Rezeptoren andockt wie manche Beruhigungsmittel. Gemeinsam mit Cineol wirkt es tonisierend, d. h., es sorgt für eine erhöhte Leistungsfähigkeit des Gehirns, weil es gelassen macht und gleichzeitig geistige Frische verschafft. Da die Substanz zart, weich und nach Mensch riecht, fördert das auch die Anziehungskraft und die Kommunikationsfreude.
Quelle: http://www.ingenieur.de/Panorama/Am-Rande/Parfuem-Ruhr-Uni-Gehirn-Doping-Aufspruehen (15-07-27)