Archiv der Kategorie: Berufsbildung

Unter Berufsbildung versteht man die Vermittlung theoretischen und praktischen Wissens, das zur Ausübung eines Berufs befähigt.

Fehler bei einem Bewerbungsgespräch

In einer Studie wurden Personalmanager  gefragt, was sie bei vielen Bewerberinnen und Bewerbern, mit denen sie Vorstellungsgespräche führen, vermissen. Es ergaben sich dabei einige Fehler, die es für die BewerberInnen schwer machen, den gewünschten Arbeitsplatz zu bekommen, die sich aber mit entsprechender Vorbereitung relativ leicht vermeiden lassen.

  • Die Bewerber bereiten sich zu wenig auf ein Gespräch über ihre Kompetenzen und Erfahrungen vor, denn viele Jobsuchende gehen davon aus, dass es reicht, die eigenen Fähigkeiten im Lebenslauf zu beschreiben. Doch auch im Bewerbungsgespräch dreht sich vieles um die Kompetenzen des Bewerbers, wobei es die Aufgabe der Kandidatin bzw. des Kandidaten ist, diese durch anschauliche Beispiele zu vertiefen. Man sollte sich also Beispiele überlegen, anhand derer man seine Kompetenz in Bezug auf die ausgeschriebene Position gut darstellen kann.
  • Mangelndes Wissen über das Unternehmen ist der zweithäufigste Kritikpunkt der Personalleiter, d. h., dass man diw Homepage des Unternehmens genau studieren sollte, genauso aber Zeitungsartikel über das Unternehmen suchen und Branchen-Informationen sammeln. Vor allem Bewerber mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung haben in diesem Bereich ein großes Manko, wozu auch eine realistische Gehaltsvorstellung gehört.
  • Vor allem bei Berufsneulingen findet man zu wenig Vorstellungen über Karrierepläne und Ziele, d. h., es schadet nicht, laut darüber nachzudenken, wo man selbst in fünf Jahren stehen möchte, welche Weiterbildungen man machen möchte, denn dadurch kann man Begeisterung und Identifikation mit dem Unternehmen signalisieren.
  • In vielen Fällen ist auch Unpünktlichkeit ein Minuspunkt bei Bewerbern, d. h., besser ein paar Minuten zu früh kommen und sich noch einmal sammeln, bevor man entspannt und nicht gehetzt in das Gespräch geht. Pünktlichkeit vermeidet darüber hinaus Stress. Unpünktlichkeit kann ein Absage-Grund sein.
  • Manche Kandidaten, insbesondere solche mit mehr als fünf Jahren Berufserfahrung, sind den Personalchefs zu redselig, doch ist auch das Gegenteil nicht optimal, den zu knappe Antworten lassen auf mangelnde Begeisterung schließen.
  • Fragen zu stellen ist nicht nur die Rolle der Personalisten, sondern kann durchaus auch passend sein für die Kandidatin bzw. den Kandidaten, denn dass Bewerber keine Fragen stellen wird, ebenfalls als Manko bei Vorstellungsgesprächen genannt.
  • Ein Fehler ist außerdem die mangelnde Vorbereitung auf heikle Fragen, also auf Fragen wie „Warum sollten wir uns für Sie entscheiden?“. Man sollte auch solche Fragen sachlich-argumentativ antworten können. Beim Bewerbungsgespräch müssen Personaler müssen Lebenslauf und Gespräch gut zusammenpassen, wobei es hilft, sich vorher die wichtigsten Punkte zu notieren.

Bei zwischenmenschlichen Erstgesprächen wie etwa einem Vorstellungsgespräch wird oft auf die Interessen und Erwartungen der Zielpersonen eingegangen, um einen guten Eindruck zu machen und ein positives Ergebnis wie die angebotene Stelle zu erhalten. Eine naheliegende Strategie für ein Vorstellungsgespräch besteht also darin, die Wünsche der Interviewer zu antizipieren und den eigenen Auftritt entsprechend anzulegen. Gino et al. (2020) haben gezeigt, dass diese Strategie kontraproduktiv sein könnte und einen nicht so positiven Eindruck hinterlässt. In Experimenten fand man hingegen Hinweise, dass es nicht immer günstig ist, den Auftritt an gefühlten Erwartungen auszurichten. In einem Fast-Pitch-Wettbewerb sollten Jungunternehmer ihre Projekte an drei Investoren zu verkaufen, was einen hohen Druck für die Teilnehmer bedeutet, denn die Konkurrenz ist groß alle anderen kommen mit den gleichen Hoffnungen und ebenfalls potenziell guten Ideen. Es zeigte sich dabei, dass Unternehmer mit höherer Wahrscheinlichkeit erfolgreich waren, wenn sie einfach ihr Ding durchzogen und nicht versuchten, ihren Auftritt an die vermeintlichen Erwartungen der Investoren anzupassen. Wer also authentisch aufgetreten war, hatte daher eher Erfolg. Offenbar verstärkt die Verstellung Angstgefühle in einem selbst, denn wenn man sich bemüht, Erwartungen anderer zu erfüllen, ist man dabei eher unsicher, denn man weiß nie genau, was das Gegenüber in einem Vorstellungsgespräch von einem hören möchte. Aus anderen Studien ist bekannt, dass Angstgefühle und Stress verstärkt werden, wenn Menschen sich verstellen. Allerdings ist auch die Orientierung am wahren oder authentischen Selbst an sich ebenfalls problematisch, denn diese Vorstellungen beziehen sich häufig auf ein Idealbild und weniger darauf, was einen Menschen tatsächlich ausmacht. Die Idee eines authentischen Selbst sagt also oft mehr darüber aus, wie man sein möchte und weniger, wie man tatsächlich ist. Diesen Widerspruch gilt es daher in einem Vorstellungsgespräch zu lösen.

Literatur

Gino, F., Sezer, O. & Huang, L. (2020). To be or not to be your authentic self? Catering to others’ expectations and interests hinders performance. Organizational Behavior and Human Decision Processes, doi:10.1016/j.obhdp.2020.01.003.
Stangl, W. (2012). Bewerbung: Das Bewerbungsgespräch. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/BEWERBUNG/ (2012-08-13).