Wohlbefinden in der Schule

Positive Emotionen und Wohlbefinden sind nicht gleich Zufriedenheit (nur eine Teilkomponente der Emotion) sind. Im Gegensatz zu Stimmungen und Affekten, sind Emotionen vorübergehende Gefühlsregungen die sehr genau bestimmbar sind (Erleichterung, Wut, Trauer) und von einem spezifischen empfinden des Ereignisses (Note, Verlust, Streit) abgeleitet werden können. Emotionen können affektiv, kognitiv, expressiv, motivational und physiologisch sein. Wohlbefinden wiederrum setz sich aus positiven Emotionen und Kognitionen in Bezug auf schulische Erlebnisse und Erfahrungen zusammen. Diese können sich kurz- oder langfristig entwickeln. Ein großes Problem bei diesen Forschungen entsteht durch die mangelnde Präzisierung und Schärfung der beiden Begriffsdefinitionen, darunter leidet auch die Qualität der Forschungsergebnisse (vgl. Hascher & Edlinger, 2009, S.106f).

Es ist unbestreitbar: Ein großer Teil der Kinder verliert im Laufe der Schulzeit die Begeisterung am Lernen, denn während sie hoch motiviert in die erste Klasse starten, nimmt mit steigendem Alter die Freude am Lernen stetig ab. Die Ursachen dafür sind vielfältig, wobei die meisten mit dem System Schule zu tun haben, denn ab nun stehen Leistung und gute Noten im Zentrum. Hinzu kommt, dass durch die Eltern und auch die Schule eine gute Zukunft mit einem möglichst hohen Bildungsabschluss gleichgesetzt wird, sodass der daraus entstehende Erfolgsdruck Schüler, Eltern und auch Lehrer belastet und eine günstige Lernmotivation verhindert. Tatsache ist daher, dass die Freude an der Schule bereits in den ersten Jahren rapide abnimmt und diese Tendenz auch in höheren Schulstufen anhält. Bei der Gegenstandsbestimmung wird häufig mit künstlich, experimentell hervorgerufenen Emotionen gearbeitet. Diese sind absolut kontrollierbar, aber wahrscheinlich nicht deckungsgleich mit alltäglichen Empfindungen. Emotionen in realen Lebenszusammenhängen  können durch drei Befragungsarten erfasst werden. Retrospektive Befragung (Pekrun, 1992a, zit. nach Hascher & Edlinger, 2009, S.108)  – direkte, nicht systematische Befragung (Werres, 1996, zit. nach Hascher & Edlinger, 2009, S.108) – direkte, systematische Befragung (Bergmann und Eder, 1995, zit. nach Hascher & Edlinger, 2009, S.108). Zur Zielbestimmung wird die Taxonomie von Pekrun (1992b) basiert auf Datensätzen verwendet, sie nutzt die Valenz und die emotionale Ausrichtung als Einteilungskriterium. Weitere Systematisierungskriterien sind Valenz, Intensität, Häufigkeit, zeitliche Dimension, Referenz und Kontext . Die dritte Differenzierung ist der Grund der Emotion, dieser kann wiederum in drei Sichtweisen eingeteilt werden:  a) Die ganzheitliche Bewertung – Gefühle der Kinder in der Schule. b) Die präzisierte Bewertung – in welchem Fach können positive Emotionen und gute Leistungen entwickelt werden. c) Hier wird die Persönlichkeit des Schülers im Zusammenhang mit der Lernumwelt beleuchtet (vgl. Hascher & Edlinger, 2009, S.107ff).

Das subjektive Emotionserlebens in Schule und Unterricht

Diese Erkenntnisse aus der Sicht der Lernenden sollen als Grundlage emotionsfördernder Lernumgebungen dienen. Es wird herausgehoben wie wichtig die Lernmotivation für die psychische Entwicklung bei Schülern ist. Untersucht wurden vorwiegend Jugendliche und nur sehr selten Kinder. Nach einer Befindlichkeitsbefragung bei Volksschülern überwiegen dort die positiven Gefühle zur Schule. Diese können sich überwiegend  bei Freiarbeiten und unterrichtsübergreifenden Veranstaltungen entwickeln. Bei Jugendliche wurde im Zusammenhang mit der Schule ein eher negatives Gefühlserleben erforscht. Die Emotionsqualität differiert zwischen den Schulfächer. Positive Gefühle zeigten sich beim Sport und beim Zeichnen. Durch selbstorganisiertes und handlungsorientiertes Lernen empfinden die Schüler mehr Freude beim Lernen. Besteht eine positive Einstellung zum Lehrenden, steigt das Wohlbefinden ebenfalls. Die geschlechterspezifische Erlebnisqualität, hängt meist von der Art und Weise des Unterrichts ab. Das Emotionsempfinden in Bezug auf die Schulform variiert sehr stark. Diese spezifischen Lernsituationen sagen aber noch sehr wenig über die Emotionsentstehung aus (vgl. Hascher & Edlinger, 2009, S.109ff).

Prinzipiell ist eine positive Einstellung zur Mathematik in Verbindung mit der Klarheit und einem gefühlsbetonten Unterrichtsklima notwendig, damit die Lernfreude entflammen kann. Schülerzahlen, sowie genügend Zeit zum Begreifen des Stoffes sind weitere Erfolgsfaktoren. Aus den verschiedenen Studien geht hervor das Schüler mit besseren Noten mehr Lernfreude und –motivation entwickeln. Bei Vergleichen der Beliebtheit, hatten Klassenstars eine deutlich positivere Einstellung zur Schule, als Außenseiter. Ein weiterer positiver Faktor ist die Unterstützung  durch Mitschüler, als negativ wirkt sich herabsetzendes Behandeln durch Lehrenden und der Stress aus.  Zwischen der 5. und der 9. Schulstufe verschlechtert sich das Wohlbefinden der Schüler. Durch kompetentes, faires und fürsorgliches Verhalten tragen die Lehrenden wesentlich zur positiven Einstellung der Schüler bei. Ein weiterer Indikator für schulischen Selbstwert, sind die eigenen Leistungen der Schüler.

Zur schulischen Leistungs- und Wohlbefindensverbesserung, wurde in div. Fächern auf Selbstregulation, Kompetenz, soziale Interaktion, Struktur und Wertigkeit gesetzt. Trotz eines deutlicher Leistungszuwachses, blieben die Emotionen hinter den Erwartungen. Ein weiterer Punkt ist das Vergnügen im Unterricht. Darunter versteht sich auch Humor, spielähnliche Aktivitäten, sowie bedarfsgerechte Lernunterlagen und die notwendige Unterstützung   durch den Lehrenden. Der größte Auslöser angenehmer Gefühle war das Erleben von Autonomie und Kompetenz (vgl. Hascher & Edlinger, 2009, S.113ff).

Anregungen für Forschung und Praxis

Einer der Impulse zeigt uns, dass sich Schule wieder in einen positiven Ort der Lern- und Leistungsbereitschaft verwandeln soll, an dem man Freude, Zufriedenheit und Stolz empfinden kann. Ein weiterer Impuls soll uns zeigen, dass die positiven Emotionen  förderungswürdig und lernfördernd sind und dass  im Gegensatz dazu,  die negativen Emotionen hemmen und sich contra produktiv auf das Lernverhalten auswirken (vgl. Hascher & Edlinger, 2009, S.119f).

Literatur
Hascher, T. & Edlinger, H. (2009). Positive Emotionen und Wohlbefinden in der Schule – ein Überblick über Forschungszugänge und Erkenntnisse.  Psychologie in Erziehung und Unterricht, 56, 105 – 122.