Träume als Orakel

Über viele Jahrhunderte galten Träume als übernatürliches Phänomen und wurden als Visionen oder Offenbarungen der Götter angesehen. Heute geht man davon aus, dass Träume dazu dienen, neue Informationen mit alten zu verknüpfen und im Langzeitgedächtnis abzuspeichern, was sich auch in den Träumen die Vermischung von alten Orten, Personen und Gefühlen mit neuen Erfahrungen zeigt. Eher fragwürdig ist der Erklärungsansatz, dass Träume den Mensch helfen sollen, mit neuen und unbekannten Situationen umzugehen.

In der Antike und auch noch später glaubte man, Träume seien indirekte oder verschlüsselte Botschaften von Göttern und Dämonen, wobei Träumen oft Weissagungs- oder Orakelcharakter zugesprochen wurde. So glaubte der persische König Xerxes, er könnte die Schlacht nur dann gewinnen, wenn das Orakel im Traum zu ihnen sprach. Als der römische Kaiser Konstantin der Große von einem Engel träumte, der ihm das Kreuz als Siegesfahne entgegenhielt und ihm das heute sprichwörtliche „In hoc signo vinces“ zurief, zog Konstantin mit dem Kreuz auf der Fahne in die Schlacht vor Rom und besiegte seine heidnischen Gegner Licinius und Maxentius. Präsident Abraham Lincoln soll davon geträumt haben, einem Attentat zum Opfer zu fallen, bevor er drei Tage später tatsächlich im Theater ermordet wurde. In der Bibel werden den Protagonisten im Schlaf Botschaften und Offenbarungen übermittelt, etwa die Träume der Pharaonen, des babylonischen Königs Nebukadnezar  oder der Traum Jakobs von der Himmelsleiter und dem Landversprechen Gottes. Die Ordensgründer Franz von Assisi, Don Bosco oder der Heilige Bruno standen nach eigenen Aussagen über Träume mit Gott in Verbindung.

Es gibt übrigens eine Bibliographische Online-Datenbank zu Träumen und Visionen in der Antike mit dem Ziel, Literatur, Träume und Visionen in der griechisch-römischen Antike zu erfassen, wobei das Spektrum von Traumbüchern wie dem des Artemidoros von Daldis bis zu Historikerfragmenten, bis zu Inschriften, Papyri sowie zu Darstellungen von Träumen und Visionen auf verschiedensten Bildträgern reicht. Es finden sich dabei Titel zu Materialien aus anderen Kulturen (Islam, China etc.)  und zur modernen Traumforschung.

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