Archiv der Kategorie: Schlafstörungen

Bei Schlafstörungen kann man zwischen organischen und nichtorganischen Störungen unterscheiden.

2017 – Umstellung Sommerzeit (=Normalzeit) auf Winterzeit

Einer milden Form eines Jet Lags sind viele Menschen zweimal im Jahr ausgesetzt, nämlich zu Beginn und Ende der Sommerzeit, wenn die Uhr eine Stunde zurück- bzw. vorgestellt wird. Die Umstellung von der Sommerzeit auf die Normalzeit ist dennoch die harmlosere, denn nach der Herbstumstellung kann es nur passieren, dass man morgens früher wach wird und abends wird man in der ersten Zeit früher müde. Die Sommerzeitumstellung wirkt sich aber bei manchen auch negativ auf die allgemeine Zufriedenheit aus, denn zum einen fehlt vielen Menschen nach der Zeitumstellung eine Stunde Schlaf, was kurzfristig die Stimmung und Aufmerksamkeit beeinflusst, andererseits benötigt der Körper etwas Zeit, um sich an den neuen Rhythmus zu gewöhnen, wofür die meisten einige Tage benötigen. Nach einer Untersuchung erreicht die Lebenszufriedenheit in der Mitte der Woche nach der Zeitumstellung ihren Tiefpunkt und erholt sich dann allmählich wieder.

Die Termine der nächsten Umstellungen Sommerzeit-Winterzeit:

Jahr

Sommerzeit

Winterzeit

Umstellung (+1) Umstellung (-1)
2017 26.03., 02:00 29.10., 03:00
2018 25.03., 02:00 28.10., 03:00
2019 31.03., 02:00 27.10., 03:00
2020 29.03., 02:00 25.10., 03:00
2021 28.03., 02:00 31.10., 03:00
2022 27.03., 02:00 30.10., 03:00
2023 26.03., 02:00 29.10., 03:00

Nach einer repräsentativen sagt mehr als ein Fünftel der Befragten, schon einmal körperliche oder psychische Probleme gehabt zu haben, wenn die Uhren um eine Stunde verstellt wurden. Drei Viertel haben sich wegen der Zeitumstellung schon müde oder schlapp gefühlt, zwei Drittel erinnern sich an Schlafstörungen oder Schwierigkeiten beim Einschlafen, während jeweils ein gutes Drittel Reizbarkeit oder Konzentrationsstörungen nennt, 13 Prozent sogar depressive Verstimmungen. Auch sind ein Fünftel der befragten Arbeitnehmer wegen der Zeitumstellung schon zu spät zur Arbeit gekommen.
Dabei hat die Zeitumstellung auf Frauen eher einen negativen Effekt als auf Männer, denn bei ihnen geben 26 Prozent an, deshalb schon Probleme gehabt zu haben, während es bei den Männern nur 18 Prozent sind. Über 80 Prozent der Frauen nennen Müdigkeit als Folge der verstellten Uhren, während dies nur 64 Prozent der Männer angeben. Offensichtlich achten Frauen eher auf ihren Körper und nehmen Alarmsignale eher wahr, während Männer oft robuster mit sich selbst u gehen und sich dann mehr zumuten als nötig.
Auch das Alter spielt eine Rolle, denn sowohl bei den unter 30-Jährigen als auch den über 60-Jährigen hat knapp ein Fünftel Probleme mit der Zeitumstellung. Bei den Altersgruppen zwischen 30 und 60 Jahren sind es mit gut 25 Prozent etwas mehr, was vermutlich daran liegt, dass in diesen Altersgruppe viele Menschen berufstätig sind und weniger flexibel reagieren können, wenn eine Nacht kürzer oder länger ist.

Nach einer anderen Untersuchung haben 14 Prozent leichte Schlafstörungen und jeder Zwölfte kann sich schlechter konzentrieren. Junge Menschen passen sich besser an die neue Zeit an. „Eulen“ und „Lerchen“ reagieren vor allem unterschiedlich auf die Zeitumstellung von der Sommer- auf die Normalzeit, denn „Eulen“ sind von Natur aus eher jugendliche Spätaufsteher, deren Höchstaktivität spät stattfindet und nun durch die Rückstellung auf die Normalzeit eine Stunde dazugewinnen, während „Lerchen“, die zeitig erwachen und zeitig schlafen gehen, zu späterer Nachtruhe gezwungen sind.

Siehe dazu die Ausführungen zu den biologischen Rhythmen.
Die Zeitumstellung bringt bei manchen den menschlichen Biorhythmus durcheinander, was schlechtes Einschlafen und Aufwachen, Konzentrationsstörungen und Müdigkeit zur Folge hat, die bis zu 14 Tage anhalten können. Die Zeitumstellung verursacht aber auch deshalb bei vielen Menschen eine starke Irritation, da sich der Sonnenaufgang anders als beim Reisen nicht mit ändert und somit auch nicht der von den Sinnen aufgenommene Tag-Nacht-Rhythmus. Nicht von ungefähr lehnen 69 % der befragten ÖsterreicherInnen die Zeitumstellung ab und nur ein Drittel sieht noch einen persönlichen Nutzen darin.
Wenn die innere Uhr aus dem Rhythmus gerät, erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit aus einer ungünstigen Schlafphase geweckt zu werden. Hinzu kommt, dass das fehlende Tageslicht in den Wintermonaten die Wirkungen verstärkt. Ein Schlafphasenwecker, der auf unsere innere Uhr Rücksicht nimmt, kann hier hilfreich sein.

Es wird empfohlen, die Mahlzeiten um eine halbe Stunde vorzuverlegen und am besten abends eine halbe Stunde eher ins Bett zu gehen, sodass der Körper schon in den Sommerzeit-Rhythmus kommt. Am Sonntag verlegt man Aufstehen, Essen und Schlafen um eine weitere halbe Stunde vor und so ist die eine Stunde am Montagmorgen theoretisch schon aufgeholt.

Die Wirkungen der Zeitumstellung (Sommerzeit, Winterzeit) sind daher einem Jetlag durchaus ähnlich, da die bekannten Symptome auftreten wie ungewöhnliche Müdigkeit, depressive und verschlechterte Stimmungslage, Schlafstörungen, Schwankungen der Herzfrequenz, Konzentrationsschwäche am Tag, Gereiztheit am Abend und am Tag, Appetitlosigkeit während des ganzen Tages, Verdauungsprobleme ohne Ernährungshintergrund. Um die Zeitumstellung besser zu überstehen. sollten man in den ersten Tagen nach der Umstellung folgende Tipps beherzigen:

  • Wer eine empfindliche Verdauung hat, sollte die Essenszeiten schrittweise (4 x 15 Minuten Verschiebung ) anpassen.
  • Üppige Mahlzeiten am Abend meiden.
  • Auf Kaffee, Tee oder andere aufputschende Getränke drei bis vier  Stunden vor dem Schlafengehen verzichten.
  • Am ersten Tag – oder noch besser am Tag davor – eine halbe Stunde früher aufstehen als üblich.
  • Die Mahlzeiten eine halbe Stunde füher einnehmen.
  • Die Uhren schon am Vortag umstellen.
  • Am morgen möglichst viel Licht anmachen, da es bei der Winter-Sommerzeit-Umstellung noch dunkel ist.
  • Viel im Freien wegen des Lichts aufhalten, einen kleinen Spaziergang zu machen.
  • Bei auftretenden Symptomen wie oben genannt mehr Pausen machen.
  • Wenn das frühere Einschlafen Mühe bereitet, natürliche Hilfen wie Baldrian,  Melisse oder Entspannungstechniken versuchen oder aufstehen und nicht mit dem  Gedankenkarussell stundenlang wach liegen.
  • Auf den Mittagsschlaf während der Umstellungsphase 7-10 Tage lang verzichten.

Doch selbst bei Experten ist die Einführung der Sommerzeit eine umstrittene Maßnahme, während die einen die Zeitumstellung für „blanken Unsinn“ halten, werden nach Ansicht anderer die körperlichen Belastungen durch die alljährliche Umstellung auf Sommer- oder Winterzeit weit überschätzt. Tatsache ist, dass manche Menschen bis zu vier Wochen brauchen, um sich körperlich und psychisch der neuen Zeit anzupassen, wobei dies manchen besser und machen überhaupt nicht gelingt. Chronobiologische Studien zeigen, dass sich der Organismus des Menschen eigentlich nicht wirklich an die zweimal jährlich stattfindende Zeitumstellung gewöhnen kann, da die Anpassung der inneren Uhr an die jahreszeitlich bedingte Varianz des Tag-Nacht-Wechsels unterbrochen wird. Diese Beurteilungen von Experten der Schlafforschung berücksichtigen aber nicht die Tatsache, dass Menschen sehr verschieden sind und auf äußere Einflüsse und Veränderungen sehr unterschiedlich reagieren, was bei diesem Thema bedeutet, dass es Menschen gibt, die sich eher leicht damit tun, sich auf die neue Zeitrechnung umzustellen, während andere ein Problem damit haben.
Der Chronobiologe Christoph Randler übrigens erklärt die Probleme folgendermaßen: „Die Innenwahrnehmung der Zeit und der Sonnenstand stimmen plötzlich nicht mehr überein. Die Umstellung dauert bei manchen bis zu drei Wochen“. Frühaufsteher, auch Lerchen genannt, tun sich beim Wechsel zur Sommerzeit leichter als Nachteulen, wobei beim Wechsel in die Winterzeit das Umgekehrte gilt. Problematisch sind die Tage der Umstellung besonders für Jugendliche, da sie aufgrund biologischer Vorgänge in der Pubertät ohnehin eher abendaktiv sind, wodurch ihre Leistungsfähigkeit am Morgen durch die Zeitumstellung noch zusätzlich leidet. Zur schnelleren Umgewöhnung sollte man am Morgen möglichst bald ans Tageslicht zu gehen, denn die Blauanteile des Lichts aktivieren die Aufwachhormone wie Cortisol und geben dem Körper das Signal: Es ist Tag! Abends sollte man genau diesen Blaulicht-Anteil vermeiden, was etwa durch ein gezieltes Wegschalten am Bildschirm gelingt. Schonend geht es auch, indem man Schlaf- und Essgewohnheiten möglichst schrittweise nach vorne verlegt.
Es muss auch offen bleiben, inwieweit Berichte in den Medien über die Aussagen von Experten solche Tendenzen noch verstärken bzw. die Menschen verunsichern 😉

Es zeigte sich in einer Untersuchung (Kuehnle & Wunder, 2015) an Eltern kleiner Kinder, dass durch die Umstellung deren Lebenszufriedenheit abnahm und erst in der zweiten Woche nach der Zeitumstellung wieder ihr ursprüngliches Niveau erreichte. Offensichtlich ist es für Menschen mit kleinen Kindern eine zusätzliche Belastung, wenn derem frei verfügbare Zeit beschränkt wird, was besonders für Mütter und Väter, die ohnehin wenig Zeit für sich haben, gelten dürfte. Hingegen hatte die Zeitumstellung im Herbst keine messbaren Auswirkungen auf die Zufriedenheit, da ja eine Stunde gewonnen wurde. Wissenschaftler empfehlen übrigens, dass man den negativen Effekten der Zeitumstellung durch mehr Zeitsouveränität entgegengewirken kann, etwa durch mehr zeitliche Flexibilität am Arbeitsplatz in der Woche nach der Umstellung.

Eselsbrücken

für alle, die sich nicht merken können, ob man bei der Umstellung eine Stunde vor oder eine Stunde zurückstellen muss:

Im Frühjahr bei der Umstellung auf Sommerzeit werden die Uhren eine Stunde vorgestellt: Bei Gasthäusern werden die Schanigärten vor das Haus gestellt.

Im Herbst gibt es eine wunderbare poetische Fassung von Gottfried Benn für den Umstand, dass die Uhren eine Stunde angehalten werden müssen:

Astern

Astern – schwälende Tage,
alte Beschwörung, Bann,
die Götter halten die Waage
eine zögernde Stunde an
.

Noch einmal die goldenen Herden,
der Himmel, das Licht, der Flor,
was brütet das alte Werden
unter den sterbenden Flügeln vor?

Noch einmal das Ersehnte,
den Rausch, der Rosen Du –
der Sommer stand und lehnte
und sah den Schwalben zu,

Noch einmal ein Vermuten,
wo längst Gewissheit wacht:
Die Schwalben streifen die Fluten
und trinken Fahrt und Nacht.

(Aus den Stadthallen-Elegien; Benn verfasste diese „Stadthallen-Elegien“ auf der Rückseite von Speisekarten der Stadthalle Hannover. Die Originale werden im Deutschen Literaturarchiv in Marbach aufbewahrt. Das Gedicht „Astern“ auf der Rückseite einer Speisekarte ist im Marbacher Literaturmuseum der Moderne ausgestellt. Weitere Gedichte aus diesem Zyklus sind: „Tag, der den Sommer endet“ und „Die weißen Segel“)

Die Regeln für die Umstellung von Sommerzeit auf Winterzeit bzw. von Winterzeit (Normalzeit) auf Sommerzeit

Für die Sommerzeit gilt: Die Zeitumstellung findet am letzten Sonntag im März statt. Dabei wird um 2:00 Uhr die Uhr um eine Stunde vorgestellt, was bedeutet, dass die Nacht eine Stunde kürzer ist.

Für die Winterzeit (Normalzeit) gilt: Die Zeitumstellung findet am letzten Sonntag im Oktober statt. Um 3:00 Uhr wird die Uhr um eine Stunde zurückgestellt, was bedeutet, dass die Nacht eine Stunde länger ist.

Zur Geschichte der Zeitumstellung in Österreich

Der Ursprung der Zeitumstellung liegt vermutlich in der Erfindung der Räderuhr im 13. Jahrhundert, wobei es ab dem 18. Jahrhundert flächendeckend Uhren an allen Kirchtürmen gab, die nun den Alltag der Menschen in ein starres Zeitsystem presste, denn bis dahin vertrauten die Menschen der Sonne und wussten, wann was zu tun war. Die Gründe für die Umstellung waren stets ökonomische, denn um die für Beleuchtungszwecke zur Verfügung stehenden Brenn- und Heizkosten zu sparen, wurde in der österreichisch-ungarischen Monarchie, in den damals besetzen Gebieten Russlands und des Balkans, sowie im Deutschen Reich die Zeit im Sommer um eine Stunde vorverlegt. Drei Mal wurde danach – von 1916 bis 1920, von 1940 bis 1948 und 1980 – die Sommerzeit wieder angewendet. Die Gründe für die Umstellung waren neben dem ökonomischen auch ein militärischer Aspekt, denn eine Stunde mehr Tageslicht kam der Rüstungsindustrie entgegen. Von 1940 bis 1942 wurde die Sommerzeit ganzjährig beibehalten und hielt sich in Österreich noch bis 1948, eine Hochsommerzeit, d. h., eine Umstellung um eine weitere Zeit wie in Deutschland, gab es in Österreich allerdings nicht. Erst 198 wurde als Konsequenz auf die Ölkrise wieder die Umstellung vorgenommen, und seit dem EU-Beitritt Österreichs 1995 gilt die Sommerzeit als verbindliche Vorschrift der Europäischen Union, wobei diese alle fünf Jahre die Termine bestätigt.
Quelle: OÖN vom 28. März 2015

Die Termine der nächsten Umstellungen Sommerzeit-Winterzeit:

Jahr

Sommerzeit

Winterzeit

Umstellung (+1) Umstellung (-1)
2015 29.03., 02:00 25.10., 03:00
2016 27.03., 02:00 30.10., 03:00
2017 26.03., 02:00 29.10., 03:00
2018 25.03., 02:00 28.10., 03:00
2019 31.03., 02:00 27.10., 03:00
2020 29.03., 02:00 25.10., 03:00
2021 28.03., 02:00 31.10., 03:00
2022 27.03., 02:00 30.10., 03:00
2023 26.03., 02:00 29.10., 03:00

Literatur

Kuehnle, Daniel & Wunder, Christoph (2015). Using the life satisfaction approach to value daylight savings time transitions. Evidence from Britain and Germany.
WWW: http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.499075.de/diw_sp0744.pdf (15-04-11)
http://www.psychologie-aktuell.com/news/aktuelle-news-psychologie/news-lesen/article/1445425799-jeder-zweite-glaubt-an-ein-ende-der-zeitumstellung-22-prozent-haben-gesundheitliche-prob.html (15-10-21)