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Gehirn und Hitze

Bei großer Hitze, das ist etwa ab 30 Grad im Schatten, haben viele Menschen das Gefühl, nicht mehr richtig denken zu können. Das liegt einerseits am Kreislauf und andererseits aus dem daraus resultierendem Blutdruck im Gehirn, denn 15 bis 20 Prozent der gesamten Blutmengen haben im Normalfall die Aufgabe, das Gehirn mit Sauerstoff zu versorgen. Bei hohen Temperaturen wird jedoch ein Großteil des Blutes benötigt, um den Körper zu kühlen, sodass Blutzufuhr und damit der Sauerstoffspeigel im Gehirn abgesenkt wird. Das kann zu einer schlechteren Versorgung des Gehirns führen, was dann wiederum zu einer Reduktion der Konzentrationsfähigkeit führt. Auch kann durch das generelle Unwohlsein aufgrund der Hitze eine Ablenkung ähnlich wie durch einen Schmerzreiz hervorgerufen werden kann, wodurch ein Teil des im Gehirn vorhandenen Arbeitsspeichers blockiert wird, was zu einer Einschränkung der Arbeitsleistung führen kann. Auch muss bei der Aufnahme von Flüssigkeit in solchen Hitzeperioden unbedingt darauf geachtet werden, dass nicht nur Leitungswasser getrunken wird, denn durch das Schwitzen gehen auch Salz und Mineralien verloren, die wieder zugeführt werden müssen. Nach Ansicht des Neurobiologen Martin Korte sollte man mehrmals täglich den Kopf sowie die Arme mit kalten Wasser abkühlen, um das Gehirn anzuregen.

Hinzu kommt nach dem Physiologen Hanns-Christian Gunga, dass Menschen selbst Wärme produzieren, die an die Umgebung abgegeben werden muss, wobei ab etwa 27 Grad Celsius dieses System überfordert ist und Menschen zu schwitzen beginnen. Damit kann der Körper eine Zeit lang seine Temperatur konstant halten, wobei Temperaturen ab 32 Grad als starke Wärmebelastung, ab 38 Grad sogar als extrem gelten. Dabei hängt die gefühlte Temperatur auch von der Luftfeuchtigkeit ab. Menschen können sich im Wesentlichen durch eine vermehrte Hautdurchblutung bzw. durch Schwitzen abkühlen und durch die erweiterten Gefäße sinkt der Blutdruck im ganzen Körper, wobei das Herz stärker und schneller pumpen muss.

Da bei hohen Temperaturen für das Gehirn gleichzeitig weniger Blut übrig bleibt, kommt es auch zu Konzentrations- und Kognitionsschwächen, sodass man etwa nicht mehr gut rechnen kann, aber auch die motorischen Fähigkeiten lassen nach. Schon bei 38 Grad lassen sich im kognitiven Bereich deutlich messbare Abweichungen feststellen, bei 39 oder sogar 40 Grad Körpertemperatur kann man geistig kaum noch etwas leisten. Auf etwa 37 Grad hat sich die Evolution wohl deshalb eingependelt, weil sich bei höheren Temperaturen vermehrt Sauerstoffradikale bilden, die die Membranen der Zellen schädigen.

Tipp:

In Südamerika mit seinen hohen Temperaturen ist analog Südeuropa die Siesta ein nicht wegzudenkender Teil des Alltags. Zwei von drei Erwachsenen halten in Südamerika Siesta unabhängig von der Hitze. Drei von vier Erwachsenen halten mindestens 4 Mal pro Woche eine eineinhalbstündige Siesta (Stangl, 2018).

Literatur

Stangl, W. (2018). Wieviel Schlaf braucht der Mensch?. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/SCHLAF/Wieviel-Schlaf.shtml (2018-08-01).
https://regionalbraunschweig.de/hitzeperiode-wenn-es-dem-gehirn-zu-warm-ist/ (18-08-01)
https://www.berliner-zeitung.de/wissen/charit%C3%A9-physiologe–bei-hitze-wird-das-gehirn-schlechter-durchblutet–31046238 (18-08-02)