Archiv der Kategorie: Angewandte Psychologie

Angewandte Psychologie ist ein Sammelbegriff von breiter Bedeutungsskala für die früher Psychotechnik genannten Teilgebiete der Psychologie, die die Erkenntnisse der allgemeinen oder theoretischen Psychologie (einschließlich Grundlagenforschung) für die verschiedenen Bereiche des wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens nutzbar machen.

Körperhaltung beim Stehen, Sitzen und Gehen

Bei der Beurteilung der Körperhaltung ist das erste, worauf man sein Augenmerk richten sollte, die Gewichtsverlagerung. Steht ein Mensch aufrecht oder ist sein Gesicht vor bzw. hinter das Becken verlagert? Je gerader nämlich jemand steht, desto aufrechter ist vermutlich auch seine innere Haltung, denn so ein Mensch ist weder unsicher (das wäre eine Neigung nach vorne) noch überheblich (das wäre die Neigung nach hinten). Ein weiterer wichtiger Aspekt der Körperhaltung ist die Offenheit bzw. Geschlossenheit, womit der Hals- und Brustraum gemeint ist. Auch ist wichtig, ob ein Mensch frei steht oder ob er irgendwo eine Stütze sucht, denn es gibt Menschen, die sich permanent irgendwo anlehnen müssen. Die Körperhaltung ist somit ein Ausdruck von Gefühlen und persönlichen Befindlichkeiten, und liefert Interpretationshilfen dafür, wie sicher, souverän, überlegen sich jemand fühlt. So spiegelt sich etwa Fröhlichkeit in einer aufrechten, offenen Haltung oder Resignation in einer leicht gebeugten, in sich gekehrten, also optisch eher geschlossenen Haltung wider. Auch die Konzentration auf einen anderen Menschen,  Neugier, Irritation oder auch nur Nachdenklichkeit lassen sich aus der Körperhaltung ablesen. Ein weiteres Kennzeichen ist die plötzliche Veränderung der äußeren Haltung, denn diese spiegelt immer eine plötzliche Veränderung der inneren Haltung wider.

Vom sozialen Rang her höhergestellte nehmen Menschen in ihrer Körper- und Sitzhaltung in der Regel mehr Raum für sich in Anspruch, sie geben sich von der Körperhaltung her meist offener, weil sie sich für weniger verletzlich halten. Mit der Analyse der Körperhaltung können häufig eindeutige Aussagen über Statusunterschiede zwischen Interagierenden getroffen werden.

Auch die Körperbewegungen spielen bei der Gesamtinterpretation der Haltung eines Menschen eine Rolle. Ein vorgeneigter Oberkörper in einem Gespräch signalisiert Aufmerksamkeit oder den Hinweis, dass jemand etwas sagen möchte, er kann aber auch mit dieser Haltung Skepsis ausdrücken. Mit einem demonstrativen Zurücklehnen wird Desinteresse oder Missfallen am Thema angedeutet. Die Sitzhaltung und wieviel Raum in Anspruch genommen wird liefert Anhaltspunkte für die Wahrnehmung. Jugendliche etwa wollen dadurch signalisieren, dass sie gutem Benehmen wenig Beachtung schenken und dadurch ihre Unabhängigkeit und Selbständigkeit für alle sichtbar dokumentieren können. Dabei ist aber häufig zu erkennen, dass das Ignorieren des mit Erziehung ja irgendwann einmal erworbenen Verhaltens Überwindung kostet.

Manche Menschen beschränken sich beim Sitzen auf die Sitzkante, lehnen sich nicht gemütlich zurück und setzen ihren Körper damit einer physischen Belastung aus, die eine psychische Anspannung zwangsläufig noch verstärkt und einem Beobachter Unsicherheit, mangelndes Selbstbewusstsein und Nervosität signalisiert. Je mehr jemand dafür sorgt, dass er bequem sitzen kann, desto souveräner gibt er sich, was als Selbstbewusstseins bei Zuhörern und Beobachtern ankommt. Eine angespannte Sitzhaltung kann in Kombination mit krampfhaften Fußbewegungen auch bedeuten, dass jemand fliehen möchte, da ihn die Unterhaltung eigentlich überhaupt nicht interessiert.

Auch der Gang gehört als Ausdrucksmittel zur Körperbewegung und läuft in gewisser Weise in Bezug auf den Ausdruck von Gefühlen synchron zur Körperhaltung. Zusätzlich aber ist ein gehender Körper in Bewegung, sodass man sich fragen kann, wie diese Bewegung realisiert wird. Geht ein Mensch zielsicher, sind seine Bewegungen flüssig, geschmeidig, beweglich oder steif und verkrampft? Signalwirkung kann dabei auch die Art haben, wie ein Mensch seine Füße auf den Boden setzt, denn ein Mensch, der das Knie vor den ersten Punkt des Körpers zieht, demonstriert Vorsicht oder eher noch Unsicherheit. Im Gegensatz dazu kann man auch so gehen, dass die Zehen immer vorausgehen. Ein Zehengang hingegen ist meist ein kräftiger, raumeinnehmender Gang, d. h., so läuft ein Mensch, der keine Angst hat, vielleicht ein klares Ziel vor Augen hat oder möglicher Weise auch in Eile ist. Dabei sollte darauf geachtet geachtet werden, ob das Körpergewicht vor, über oder hinter dem Becken liegt.

Literatur
Stangl, W. (2018). Die Deutung und das Erlernen der Deutung von nonverbaler Kommunikation. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/KommNonverbale5.shtml (2015-01-03).