Synchronisation zwischen Sprechern und Zuhörern

Beim Hören von Sprache folgen neuronale Schwingungen der Sprachdynamik auf prädiktive Weise, d. h., neuronale Schwingungen reagieren auf die vergangenen Sprachrhythmen, etwa nach einer Änderung der Sprechgeschwindigkeit. Diese Schwingungen sind mit Veränderungen in den wahrgenommenen Wörtern verbunden, was darauf hindeutet, dass neuronale Schwingungen die Sprachwahrnehmung aktiv beeinflussen. Wenn jemand zu sprechen beginnt, entstehen beim Zuhörer dabei unbewusste Erwartungshaltungen, d. h., der Zuhörer ahnt gewissermaßen schon, was kommen wird. Manche Menschen haben bekanntlich die Angewohnheit, Sätze des Gegenüber manchmal zu beenden oder entwickeln parallel zum Zuhören ihre Antwort. Dieses Wechselspiel spiegelt sich auch im Gehirn wider, indem die Gehirnaktivitäten von Sprechern und Zuhörern aneinander gekoppelt werden und deren Gehirne mehr oder weniger im gleichen Takt arbeiten. Kosem et al. (2018) konnten zeigen, dass sich die Gehirnströme an das Anfangstempo bei einem Gespräch anpassen und diesen Rhythmus während des Gesprochenen beibehalten. Offensichtlich benutzt das Gehirn die Anfangsgeschwindigkeit als Maßstab dafür, was kommen wird. Dabei hilft die Anpassung der Gehirnwellen an die Sprechgeschwindigkeit, die relative Länge der kommenden Silben einzuschätzen.

Literatur

Kosem, A., Bosker, H. R., Takashima, A., Meyer, A., Jensen, O. & Hagoort, P. (2018). Neural Entrainment Determines the Words We Hear. Current Biology, 28, 1–9.