Suizidalität im Jugendalter

Die Jugendzeit ist für jeden die Zeit, in der er sich von der Geborgenheit der Kindheit trennt. Es ist die Zeit, sich selbst stark genug zu fühlen, von nun an alles selbst zu machen und zudem besser, aufrichtiger, konsequenter als die Eltern. Dann ist es wieder die Zeit der Selbstzweifel, der Unsicherheit, der Schwäche – schnell wechselnd will der Jugendliche wieder zurück in die Geborgenheit der Kindheit, will wieder klein sein, nichts machen, nichts selbst entscheiden müssen.  Zu Veränderungen, Trennungen und Brüchen gehören Krisen.

Annähernd zwei Drittel aller Suizide werden von Männern begangen. Suizidversuche werden zu zwei Dritteln von Frauen begangen. Wir verstehen Suizidversuche als einen Schrei nach Hilfe, so dass wir davon ausgehen, dass Frauen eher als Männer auch in zugespitzten Situationen in der Lage sind, um Hilfe zu rufen. Männer scheinen demgegenüber ihrer klassischen Rolle zu erliegen und seltener Hilfe in Anspruch nehmen (sie kommen auch deutlich weniger in Beratungseinrichtungen) und greifen eher zu Mitteln, die Helfern weniger Chancen lassen.
Zwei Drittel aller Jugendlichen kennen Suizidgedanken. Dies muss nicht Angst machen. Suizidgedanken können Teil einer gesunden Entwicklung in der Adoleszenzphase sein. In dieser Lebensphase stellt sich die Frage: „Warum soll ich die Kindheit verlassen? Warum soll ich erwachsen werden? Warum lebe ich?“ Suizidgedanken haben oftmals eine lebensstabilisierende Funktion, wenn sie in eine Stärkung des eigenen Selbst münden. Was jedoch, wenn diese Phantasie ins Leere geht, wenn sich bei einem Kind oder Jugendlichen nicht das Gefühl einstellt, „„dann werden meine Eltern um mich traurig sein“, „dann werden meine Eltern alleUngerechtigkeiten, die sie mir angetan haben, spüren und bereuen“? In solchen Fällen eines offenen, unklaren Ausganges suizidaler Gedanken werden sich die Gedanken verdichten, sozusagen in der Praxis die Reaktion der Eltern zu überprüfen, ob sie über den Tod des Kindes wirklich traurig sind. Es kommt zu Auffälligkeiten, wie viel zu spät von der Schule zurückzukommen, um die Reaktion der Eltern oder anderer wichtiger Beziehungspersonen zu überprüfen. „Warten sie wirklich auf mich oder sind sie froh, wenn ich weg bin?“ Wenn auch hier die Antwort nicht zu finden ist, verdichten sich die Gedanken zum Suizid. „Wenn ich dann daliege, leblos, voller Tabletten, müsst ihr neu entscheiden: Wollt ihr mich, liebt ihr mich, so rettet mich – ansonsten will ich lieber sterben.“
Suizidgefährdung ist auf den ersten Blick nicht ohne weiteres erkennbar, doch fast allen Suiziden gehen Signale bzw. mehr oder weniger konkrete Hilferufe voraus. Alarmzeichen zeigen sich häufig durch ein verändertes Verhalten, das auch in der Schule zu beobachten ist. Dazu gehören:

  • Leistungsabfall
  • Schulverweigerung, Schwänzen
  • Unkonzentriertheit
  • Beschäftigung mit dem Thema Tod (Zeichnungen, Aufsätze, verbale Äußerungen)
  • verändertes Sozialverhalten (Abbruch von Freundschaften, Rückzug oder aggressiv abwehrendes Verhalten)
  • äußerliche Veränderungen (Vernachlässigung, starke Gewichtszu- oder -abnahme)
  • körperliche Beschwerden unklarer Ursache (Kopf-, Bauchschmerzen, Schwindelgefühle

Literatur
Smoliner, Hans (o.J.). Einführung in die Krisenberatung  und Krisenbegleitung Teil II. Lebenskrise – Adoleszenz. Unterlagen für Akademielehrgang  für SchülerberaterInnen an Allgemein bildende Höhere Schulen.