Soziale und schulische Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund

Kinder aus bildungsferneren Elternhäusern erhalten weniger Unterstützung beim Lernen als Kinder, deren Eltern Nachhilfe selber leisten oder finanzieren können, d. h., es fehlen in vielen Familien die ökonomischen oder zeitlichen Ressourcen, um Schwächen ausgleichen zu können. Hinzu kommen auch die Einstellungen von Lehrerinnen und Lehrern, die etwa Kindern mit Migrationshintergrund weniger zutrauen und sie weniger ermutigen und fördern, wobei diese Spirale aus fehlendem Zutrauen der Lehrenden und geringerem Lernerfolg der unterschätzten Kinder gut belegt ist. Eltern aus benachteiligten Milieus, also Eltern, die entweder arm sind oder kein stabiles Einkommen haben, Eltern, die ihr Leben lang gearbeitet haben, auf der Straße oder in der Fabrik, Eltern, die geflohen oder zugewandert sind, Menschen also, deren ganzer Lebensmut darauf baut, dass sie ihren Kindern zusehen können, wie sie etwas anderes lernen, entdecken, ausprobieren können als sie selbst, wie sie wachsen in neue Aufgaben und Positionen hinein, diese Eltern können immer häufiger gewiss sein, dass genau dies nie geschehen wird. Wo aber Armut sich vererbt wie Privilegien, ist das Leben der einen so wenig Ausdruck eigener Leistungen oder Verdienste wie das der anderen.

Menschen mit Migrationshintergrund können drei verschiedenen Wanderungsgenerationen angehören und fünf verschiedene Formen des Aufenthaltes aufweisen. Schüler aus Familien mit Migrationshintergrund sind meist in Schulen mit hohem Ausländeranteil untergebracht und oft sozial und schulisch benachteiligt. Die Schule versucht mit verschiedenen Methoden diese Benachteiligungen auszugleichen. Um den geringeren Erfolg aufgrund eines geringeren Leistungspotentials auszugleichen (= primärer sozialer Effekt), kann man zum Beispiel Förderunterricht, gezielter Sprachunterricht etc. einsetzen, um die einzelnen und betroffenen SchülerInnen optimal zu fördern. Der sekundäre Effekt liegt darin, dass vorhandenes Leistungspotential nicht wahrgenommen, vom Kind nicht verwirklicht bzw. falsch eingeschätzt wird. Um diesen auszugleichen, müsste man gegen die Eltern-Entscheidungen für die Übergänge verschiedener Schulformen und gegen die Verzweigungspunkte im Schulsystem vorgehen. Dies kann am besten durch die Ganztagsschule und einem System ohne äußere Selektion erreicht werden (vgl. Khan-Svic, 2008, S. 569f).

Literatur & Quellen
Emcke, C. (2017). Lernen. Süddeutschen Zeitung vom 1. September.
Khan-Svic, G.  (2008). Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund – soziale und schulische Benachteiligung? Erziehung und Unterricht, 7-8, 560 – 570.