Schulen in Schweden und in Finnland

Die „Grundskola“, die schwedische Gesamtschule mit Ganztagsunterricht, dauert neun Jahre – sie ist für alle Kinder Pflicht, gesiebt wird nicht, Sitzenbleiben ist nahezu unbekannt. Dann erst folgt für die meisten Jugendlichen die „Gymnasialschule“ mit der Hochschulreife als Abschluss, den über 70 Prozent schaffen. Früher mal hatte auch Schweden ein gegliedertes Schulsystem. Doch in den sechziger Jahren erschien den Skandinaviern die frühe Trennung nach Leistung einfach nicht mehr zeitgemäß. Die Einführung der Gesamtschule begann mit einem rigorosen Experiment. Die Hauptstadt Stockholm wurde kurzerhand geteilt: Die eine Hälfte behielt das traditionelle Schulsystem bei, die andere Hälfte bekam die Gesamtschule, Schul-Tourismus gab es nicht. Als sich zeigte, dass die Gesamtschule die insgesamt besseren Leistungen hervorbrachte, vor allem aber die schwachen Schüler erfolgreicher wurden, votierte der schwedische Reichstag für die radikale Umstellung. Der Unterricht in Schweden orientiert sich an den Bedürfnissen der einzelnen Schüler. In der Modellschule „Futurum“ in Bålsta nordwestlich von Stockholm hat jedes Kind ein individuelles „Logbuch“, in dem die Lernziele für eine Woche festgeschrieben werden. Was wann drankommt, ist nicht von vornherein festgelegt, doch am Ende der Woche muss der Lehrer die Erfolge abzeichnen. Den 45-Minuten-Unterrichtstakt gibt es nicht an schwedischen Schulen, manche experimentieren gar mit Gleitzeitmodellen: Wer früher kommt, darf auch früher gehen. Anarchie oder hochmoderne Wissensvermittlung? Die weitgehend selbständigen Lernkonzepte, wie sie in Schweden verfolgt werden, bieten nach neuesten Erkenntnissen aus der Hirnforschung den größeren Anreiz zum Lernen. Das Lustgefühl, das sich nach dem eigenständigen Lösen einer Aufgabe einstelle, sei „nachhaltiger als jede Belohnung von außen“. Die Resultate des landesweiten Leistungstests unter Neuntklässlern werden nach Schulen aufgeschlüsselt und veröffentlicht – brisantes Date nmaterial, da die Eltern die Schulen für ihre Kinder frei wählen können. In Schweden wie in Finnland, aber auch beim fernöstlichen Spitzenreiter Südkorea gilt, dass es klare Leistungsanforderungen an den Unterricht – und klare Verantwortlichkeiten dafür gibt, dass die auch erfüllt werden. Außerdem spielt das Lernumfeld eine wichtige Rolle. Ob Leistung in einer Gesellschaft etwas gilt, entscheidet mit über den Erfolg in der Schule. In Finnland wird alle vier Jahre ein nationaler Bildungsplan aufgelegt. Was sollen Schüler können?