Gute Vorsätze für das Neue Jahr

Ein Jahreswechsel ist für viele Menschen die Zeit für Veränderungen bzw. eher für die Wünsche, im Neuen Jahr etwas zu verändern. Man weiß, dass etwa die Hälfte der Menschen gute Vorsätze für das neue Jahr fassen, doch nur etwa zehn Prozent schaffen es dann auch, diese Vorsätze erfolgreich umzusetzen. Das liegt daran, dass der Alltag von Gewohnheiten bestimmt wird, wobei diese gut im Gehirn verankert sind, sodass es äußerst schwer fällt, diese Gewohnheiten zu verändern. Gewohnheit sind meist das Ergebnis eines zunächst willentlich gesteuerten Lernprozesses, an dessen Ende ein spezifisches, automatisiertes Verhaltensmuster steht.

Es ist für Vorsätze destruktiv ist, etwas mit Gewalt zur Gewohnheit zu machen, denn wenn man diese nicht genießen kann, hat es den gleichen Effekt, wie nichts zu tun. Vielmehr sollte man versuchen, kleine Anpassungen (tiny habits) im Alltag vorzunehmen, denn daraus gewinnt man Vertrauen zu sich selbst, was dann später durchaus in größere Ziele münden kann. Solche kleinen Anpassungen und Verhaltensänderungen müssen leicht und nahtlos in die bestehenden Routinen aufgenommen werden können, d. h., es muss zu einer Automatisierung der Gewohnheiten kommen. Man sollte sich dabei nicht so sehr von Verallgemeinerungen leiten lassen, sondern immer ganz individuelle Lösungen suchen, also vorab zu reflektieren und sich zu hinterfragen: Was ist der beste Weg für mich ganz persönlich? Damit eine neue Verhaltensweise zur Gewohnheit werden soll, muss man diese optimal an alte Gewohnheiten anknüpfen, denn mit kleinen Anpassungen bisheriger Abläufe durchbricht man im Vorhinein mögliche Motivationsschwierigkeiten, denn Motivation ist schließlich etwas, das nicht immer vorhanden ist, sondern kommt und geht.

Das menschliche Gehirn funktioniert ökonomisch, d. h., Verhaltensgewohnheiten bilden sich in neuronalen Strukturen ab und erleichtern das Leben, denn wenn das Gehirn bewährten Pfaden folgt, benötigt es für die Bewältigung des Alltags weniger Energie. Gewohnheiten haben aber den Sinn, den Menschen mehr mentale Energie zur Verfügung, um Wichtigeres zu erledigen, wobei dieses Energiesparen es wiederum schwer macht, ein eingeschliffenes Verhalten zu ändern, denn diese Steuerung liegt in einem Areal des Gehirns, der nicht bewusst kontrolliert werden kann. Daher geben manche Experten beim Scheitern an Vorsätzen der Arbeitsweise des menschlichen Gehirns die Hauptschuld, denn dem Hirn geht es vor allem um Ressourcenschonung, um das Haushalten mit Energie. Das menschliche Gehirn versucht, mit möglichst wenig Aktivierungsenergie auszukommen und versucht lieber so weiterzumachen wie bisher, auch dann, wenn das Leben gerade nicht sehr komfortabel ist. Veränderungen von Strukturen und Funktionen im Bereich des Fühlens, Denkens und Handelns sind nämlich auch stoffwechselphysiologisch aufwendig und teuer, denn das menschliche Gehirn liebt Automatisierung, denn diese spart Energie.

Wichtig bei Vorsätzen ist es, sich konkrete Ziele zu setzen, die auch mit konkreten Handlungsanweisungen verbunden sind, wobei die Menschen sich häufig unrealistische Ziele setzen, die kaum zu erreichen sind, denn sie neigen meist dazu, die Hindernisse, die sich ergeben könnten, einfach auszublenden. Für die Hindernisse sollte man bei einer Veränderung gleich einen Plan B entwickeln. Die Herausforderung bei guten Vorsätzen liegt darin, über den Moment hinaus in die Zukunft zu blicken. Ob der Mensch sich dann für das kurzfristig oder langfristig Angenehme entscheidet, hat auch mit Willenskraft zu tun, denn es gibt Persönlichkeitsmerkmale wie Gewissenhaftigkeit oder Selbstkontrolle, die Menschen mitbringen müssen und die ihnen das Umsetzen von Vorsätzen erleichtern.

Es braucht daher immer mehrerer Monate bis ein halbes Jahr, damit neue Gewohnheiten neue neuronale Strukturen ausbilden. Daher ist es schwierig, von heute auf morgen Vorsätze umzusetzen. Viele Gewohnheiten sind mit Emotionen verbunden, so dass es einer hohen Motivation bedarf, diese zu verändern, und oft ist es das Lustprinzip, das die Veränderung einer alten Gewohlheit verhindert. Der Verstand findet außerdem viele Gründe, warum sich etwas gerade nicht umsetzen lässt, sodass bei eingefahrenen Gewohnheiten stets nur kleine Schritte zum Erfolg führen. Wenn man dann kleine Zwischenziele erreicht, wird die Motivation zum Weitermachen eher geweckt als durch das Feststellen des Scheiterns an einem großen Ziel. Wichtig ist in jedem Fall, sich durch Rückfälle nicht entmutigen zu lassen.

Anmerkung: Schon David Hume war davon überzeugt, dass die menschliche Vernunft keine motivationale Kraft besitzt, sondern das, was Menschen bewegt sind die Affekte und die Emotionen. Das bedeutet letztlich für alleVorsätze, dass eine rein kognitive Vorstellung von langfristigen Zielen nicht unbedingt die Selbstkontrolle auf dem Weg dahin befördert, sondern in solchen Entscheidungssituationen muss es dazu kommen, dass die Vorstellung eines langfristigen Ziels eine entsprechende Emotion schafft, d. h., es muss gefühlsmäßig spürbar werden, dass die Entscheidung langfristig etwas Positives bewirkt.

Übrigens: Vielleicht wäre ja die WOOP-Methode etwas für seine Wünsche

Literatur

Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik
WWW: http://lexikon.stangl.eu/6140/gewohnheit/ (15-01-01)
Stangl, W. (1999). Grundformen des Lernens. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/Lernen.shtml (15-01-01)