Embodiment

Embodiment ist ein Zweig der Kognitionswissenschaft, bei dem man davon ausgeht, dass der Körper mehr ist als nur Hardware für die Software des Geistes, d. h., der Geist ist nicht nur eine Sache des Gehirns, sondern auch des Körpers. Im neurowissenschaftlichen Forschungszweig Embodiment untersucht man daher, wie der Körper und die Handlungen eines Menschen seine Gefühle und sein Denken prägen. Dabei werden abstrakte Konzepte wie emotionale Wärme im Gehirn mit körperlichen Erfahrungen verknüpft, wobei diese Prozesse in beide Richtungen funktionieren, dass also Haltung, Mimik und bestimmte Gesten demnach beeinflussen, wie Menschen sich fühlen und was sie denken. Die Ursache dafür liegt vermutlich im modularen Aufbau der Gehirnrinde, denn dort gibt es Bereiche, die auf bestimmte Funktionen spezialisiert sind, etwa die Verarbeitung von visuellen Sehreizen zur Erkennung von Farben, Bewegungen, Empfindungen, Lauten oder Gerüchen. Diese sind untereinander stark vernetzt, d. h., aktiviert eine Information ein Areal des Gehirns, breitet sich diese Aktivität auch in anderen Gehirnarealen aus, die mit diesem verbunden sind. Das Gehirn verknüpft daher abstrakte Konzepte wie emotionale Wärme mit körperlichen Erfahrungen, um diese Metaphern zu verstehen. Wenn eine Mutter ihr Kind im Arm hält, nimmt der Säugling ihre Körperwärme wahr, wobei diese frühen Erfahrungen das Gerüst bilden, an dem Kinder später ein so komplexes Konzept wie emotionale Wärme erlernen können. Viele Jahre später wird dann das menschliche Gehirn auf solche frühen Körperempfindungen zurückgreifen.

Menschen, die etwas Warmes in der Hand halten wie z. B. ein warmes Getränk, beschreiben ihr Gegenüber als sympathischer, als wenn es ein kaltes Getränk ist. Auch die Bewegungsrichtung und die allgemeine Anspannung der Muskeln hat einen Einfluss darauf, wie man etwas beurteilt, denn wenn man etwas zu sich herzieht, bewertet man es grundsätzlich positiver, als wenn man etwas von sich wegschiebt. Die Erkenntnisse aus der Embodimentforschung können aber auch gesunden Menschen helfen, etwa um sich in einem Vorstellungsgespräch besser zu präsentieren. Menschen, die in einem Experiment für sieben Minuten eine offene, raumgreifende Haltung oder eine power position eingenommen hatten, schnitten bei einer anschließenden kurzen Selbstpräsentation über ihre Stärken und Qualifikationen deutlich besser ab und wurden besser bewertet als solche, die vorher eine „low position“ eingenommen hatten. Auch Menschen, die zu depressiven Zuständen neigen, kann durch eine intensivere Körperwahrnehmung und ein nicht-depressives Bewegungsmuster geholfen werden. Allerdings wer glaubt, eine Depression allein durch die Empfehlung heilen zu können, sich gerade zu halten, der wird enttäuscht sein. Dennoch macht es Sinn, das Wissen rund um Psyche und Körper zu nutzen wie etwa beim Lachyoga.

Siehe dazu im Detail Embodiment.