Depressionen lassen den Hippocampus schrumpfen

Der Hippocampus als Teil des limbischen Systems des Gehirns spielt bekanntlich nicht nur eine wichtige Rolle bei der Konsolidierung und Bildung neuer Erinnerungen, sondern das ganze Selbstgefühl und Selbstverständnis als Person hängt davon ab.

Eine Studie (Schmaal et a., 2015) hat nun gezeigt, dass rezidivierende Depressionen den Hippocampus, also jenen Bereich des Gehirns, der für die Bildung neuer Erinnerungen verantwortlich ist, schrumpfen lassen können ,was zu einem Verlust der emotionalen und verhaltensbezogenen Funktionen führen kann.

Die hippocampale Schrumpfung wird seit langem mit Depressionen in Verbindung gebracht, aber frühere Studien waren nicht eindeutig, denn zu kleine Stichprobengrößen, unterschiedliche Arten von Depressionen und Behandlungsniveaus sowie Unterschiede in den Methoden zur Sammlung und Interpretation der Ergebnisse haben zu inkonsistenten und oft widersprüchlichen Ergebnissen geführt. Nun hat eine Querschnittsanalyse aus der ENIGMA-Gruppendatenbank von neuntausend Menschen (Magnetresonanztomographie-Scans und klinische Daten von 1728 Menschen mit schweren Depressionen und 7199 gesunden Menschen, die 15 Datensätze aus Europa, den USA und Australien kombinierten) die Hirnschädigung eindeutig mit Depressionen in Verbindung gebracht.

Dabei war die Schrumpfung des Hippocampus bei Menschen, bei denen die Depression früh einsetzte (vor dem 21. Lebensjahr), sowie bei Menschen mit wiederkehrenden Episoden, deutlich ausgeprägt. Diejenigen, die nur eine Episode hatten, hatten keinen reduzierten Hippocampus, daher ist dieser kein prädisponierender Faktor, sondern eine Folge des Krankheitszustandes. Es ist bemerkenswert, dass keiner der anderen subcortikalen Bereiche des Gehirns so konstant betroffen ist, was bestätigt, dass der Hippocampus besonders anfällig für Depressionen ist.

Literatur

Schmaal, L., Veltman, D. J., van Erp, T. G. M., Sämann, P. G., Frodl, T., Jahanshad, N., Loehrer, E., Tiemeier, H., Hofman, A., Niessen, W. J., Vernooij, M. W., Ikram, M. A., Wittfeld, K., Grabe, H. J., Block, A., Hegenscheid, K., Völzke, H., Hoehn, D., Czisch, M., Lagopoulos, J., Hatton, S. N., Hickie, I. B., Goya-Maldonado, R., Krämer, B., Gruber, O., Couvy-Duchesne, B., Rentería, M. E., Strike, L. T., Mills, N. T., de Zubicaray, G. I., McMahon, K. L., Medland, S. E., Martin, N. G., Gillespie, N. A., Wright, M. J., Hall, G. B., MacQueen, G. M., Frey, E. M., Carballedo, A., van Velzen, L. S., van Tol, M. J., van der Wee, N. J., Veer, I. M., Walter, H., Schnell, K., Schramm, E., Normann, C., Schoepf, D., Konrad, C., Zurowski, B., Nickson, T., McIntosh, A. M., Papmeyer, M., Whalley, H. C., Sussmann, J. E., Godlewska, B. R., Cowen, P. J., Fischer, F. H., Rose, M., Penninx, B. W. J. H., Thompson, P. M., & Hibar, D. P. (2015). Subcortical brain alterations in major depressive disorder: findings from the ENIGMA Major Depressive Disorder working group. Molecular Psychiatry, doi: 10.1038/mp.2015.69.